Kriterien für eine Funkstrecke

Ein befreundeter Tonmeister verwendet die ACS-Encore-5-Wege-InEars für Aufnahmen. Er hat manchmal das Pech, dass er mit der Tonregie nicht in einem akustisch separierten Raum, sondern im selben Raum des Geschehens sitzt. Das kommt oft vor, z.B. bei Aufnahmen in Kirchen, wo eine Verlegung der Tonregie auch einen größeren Materialaufwand benötigen würde (längere Kabel, MultiCore-Verwendung etc.).

Nun nutzt mein Kollege also die maßgefertigten InEars aus weichem Silikon, um die Aufnahme live abmischen zu können. Dabei kommt der volle Verschluss der passgenauen InEars von gut 30 dB zur vollen Entfaltung – eine solche Isolation bekommt man nämlich mit den gängigen Studio-Kopfhörern nicht.

Außerdem hat er sich per Funk die Möglichkeit verschafft, die Mikrofonpositionen (Stereo-Abbildung) hörend überprüfen zu können. Dabei tauchte die Frage auf, welche Kriterien eine Funkstrecke dafür haben soll.

Wir – Thomas Egger von dieklangschmiede und ich – haben nun folgenden Test gemacht: Wir hörten uns eine Klassikaufnahme von Rie Nakajima über folgende Geräte an und verglichen sie hörenderweise:

  1. Kopfhörerausgang Denon-CD-Player
  2. Kopfhörerverstärker G 107 von Lake People
  3. über den Funk EW300 IEM von Sennheiser
  4. über den Funk PSM 900 von Shure

Dabei fiel uns folgendes auf:

  1. Beim Abhören von der Kopfhörerbuchse des CD-Players mussten wir unbedingt abwechselnd hören. Beim verwendeten Y-Kabel und beiden benutzten Enden fielen plötzlich die Bässe weg und der Pegel änderte sich. Ansonsten war die Aufnahme „sauber“, also so wie gewohnt.
  2. Der Kopfhörerverstärker bietete erstaunlicherweise ein Grundrauschen, ansonsten zeigte er eine wunderbar dynamisch korrekte Wiedergabe. Dabei ist zu erwähnen, dass div. Anpassungen (auch die Impedanz betreffend) auf der Platine möglich wären. Bei diesem Kurztest waren alle Jumper auf Werkseinstellung.
  3. Der EW300 rauschte ständig und stark, auch ein zurückstellen der Input Sensitivity änderte daran nichts. Zusätzlich hörte man die Kompression (nicht einstellbar – nur der Limiter ist leicht variabel) und der Klang wurde mittenbetont.
  4. Beim PSM 900 fällt das Rauschen durch die eingebaute Rauschunterdrückung nur bei lauteren Passagen auf. Der Limiter ist nach dem Potentiometer geschalten und begrenzt dessen einstellbare maximale Lautstärke. Der Klang ist ähnlich mittenbetont wie bei 3., und auch bei dieser Funkstrecke waren die kompressiven Effekte gut als „Pumpen“ wahrnehmbar, vor allem bei leisen Passagen. Das macht es natürlich schwieriger, die Räumlichkeit einer Aufnahme, welche sich in leisen Hallanteilen spiegelt, zu beurteilen.

Das war ein Quick-Test von uns, um die Praktikabilität der ACS-Encore-InEars auf ihre Tauglichkeit für den Live-Klassikbereich zu überprüfen. Wir denken, dass es ein durchaus gangbarer Weg ist, mit InEar und Funkstrecke die Mikrofonpositionen zu optimieren oder (besser fix verkabelt) eine Live-Aufnahme im selben Raum zu mischen. Allerdings muss die Qualität der Einzelteile in der Signalkette gut aufeinander abgestimmt sein.

Wir hoffen, dass Euch dieser Beitrag in Eurem Schaffen weiterhilft und freuen uns auf weitere Fragen dieser Art!

Thomas & Esther.

By | 2017-04-29T10:03:01+00:00 Samstag, 29. April 2017|Blog|0 Comments

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